Lokale Radio-Marken stärken

Lokalfunk-Chefredakteure sprechen über Programmstrategien und wählen neuen Vorstand

Wie sichert der NRW-Lokalfunk seine Position als reichweitenstärkster Radioverbund Deutschlands? Wie können die lokalen Sendermarken auch über das Programm hinaus (Hörer-)Bindung erzeugen? Wie kann der Rahmenprogrammanbieter radio NRW die Lokalstationen optimal unterstützen? Über diese Fragen diskutierte der Verein der Chefredakteurinnen und Chefredakteure im NRW-Lokalfunk (VdC NRW) auf seiner Mitglieder-versammlung in Unna. Zu Gast in der Runde war der neue Programmdirektor von radio NRW, Thomas Rump. Im intensiven Gedankenaustausch über gemeinsame Ziele, zukunftsweisende Programmstrategien und notwendige Veränderungen sei ein großer Gestaltungswille bei allen Beteiligten spürbar gewesen, berichtet der VdC-Vorstand. Im Verein sind insgesamt 39 der 44 Chefredakteure aus dem Lokalfunk organisiert.

Einstimmigkeit herrschte unter den Mitgliedern bei der turnusgemäßen Vorstandswahl. Ein fünfköpfiger Sprecherkreis koordiniert das Kollegen-Netzwerk. Frank Haberstroh (Radio WAF), Andreas Kramer (Radio Kiepenkerl), Thorsten Kabitz (Radio RSG) und Thorsten Wagner (Antenne Unna) wurden für weitere zwei Jahre in ihren Ämtern bestätigt. Neues Vorstandsmitglied ist Timo Fratz (Radio Bielefeld).

Der VdC bündelt und vertritt Positionen der Chefredakteurinnen und Chefredakteure innerhalb des NRW-Lokalfunks, aber auch in der Öffentlichkeit und im Kontakt mit der Medienpolitik. Um den Austausch unter den Programmchefs zu fördern, veranstaltet der Verein regelmäßig gemeinsame Treffen, Exkursionen und Workshops. „Wir sind ein sehr lebendiges Netzwerk“, freut sich der Vorstand. 2016 fand, unterstützt von der Landesanstalt für Medien (LfM NRW) erstmals der VdC-Zukunftstag in der Villa Media in Wuppertal statt, der in diesem Jahr fortgeführt werden soll.

„Auf die Nähe kommt es an“

VdC NRW zur Medien-Analyse Radio 2016-I / Medienmitteilung vom 2. März 2016

Die NRW-Lokalradios sind Deutschlands erfolgreichster, privater Senderverbund. Das bestätigen die nationale Media-Analyse sowie die Elektronische Medienanalyse NRW – und das freut natürlich den Verein der Lokalfunk-Chefredakteure (VdC NRW). Laut ma Radio 2016-I erreichen die Lokalradios mit 1,633 Mio. Hörern in der Durchschnittsstunde weiterhin deutlich mehr Menschen in NRW als die Einzelprogramme des WDR.

„Eine starke Leistung von über 1.000 Kolleginnen und Kollegen in den 45 Lokalradios“, sagt Thorsten Wagner aus dem VdC-Vorstand. Die erfolgreichsten Stationen wie Radio Kiepenkerl (Kreis Coesfeld), Radio Wuppertal oder Radio 91.2 (Dortmund) erzielen in ihren Gebieten aktuell Rekord-Tagesreichweiten von 45 bis 48 Prozent.

„Es kommt nicht auf die Größe an, sondern auf die Nähe“, so VdC-Vorstand Thorsten Kabitz. Etliche Stationen hätten daher in den vergangenen Monaten ihr lokales Programmangebot erweitert. „Gegen die quotenorientierte Flottenstrategie des WDR setzen wir das, was wir am besten können: echte Nähe, lokale Verwurzelung, verlässlicher Service und ein direkter Draht zu den Hörern.“

Übrigens, nicht nur bei den Hörer-Reichweiten stehen die Lokalstationen deutschlandweit an der Spitze. „Der NRW-Lokalfunk hat zusammen über 720.000 Facebook-Fans“, berichtet VdC-Vorstandsmitglied Frank Haberstroh. Allein im vergangenen halben Jahr seien nochmal über 100.000 Fans auf den Senderseiten dazugekommen. „Das ist zusammen genommen die größte Hörercommunity aller Radiosender im deutschsprachigen Raum.“

Kompromiss mit Signalwirkung

Lokalfunk-Chefredakteure zur Werbereduzierung im WDR-Hörfunk – Medienmitteilung vom 3. Februar 2016

Mit den Stimmen von SPD und Grünen hat der NRW-Landtag in der vergangenen Woche eine stufenweise Werbereduzierung im WDR-Hörfunk beschlossen, die zuvor auch die Chefredakteure der privaten Lokalfunkstationen gefordert hatten. Der Vorstand des Vereins der Chefredakteure (VdC) erklärt dazu:

„Die stufenweise Reduzierung ist kein Geschenk der Politik, sondern ein Kompromiss mit Signalwirkung. Er gibt dem Lokalfunk wieder Luft zum Atmen, ohne den WDR zu überfordern.

Natürlich hätten wir uns eine schneller wirksame Umsetzung gewünscht, außerdem eine klare Beschränkung bei Sponsorings und kommerziellen Onlineaktivitäten des WDR.  Der Beschluss von SPD und Grünen, der den Zielen des Koalitionsvertrags folgt, ist aber ein wichtiger Schritt zu mehr Chancengleichheit und ein gutes Zeichen für die rund 1.500 Mitarbeiter im NRW-Lokalfunk.

Die quotenorientierte Flottenstrategie der WDR-Programme und die aggressive Preispolitik haben die wirtschaftliche Basis des Lokalfunks zunehmend gefährdet. Der Gesetzgeber hat hier ein klares Zeichen gesetzt und sich nicht von den überzogenen Drohkulissen des Intendanten einschüchtern lassen. Wenn der WDR sich künftig auf die nationale Vermarktung konzentriert und die Werbepreise marktgerecht angepasst, dürften die befürchteten Einbußen im 1,4 Mrd. Euro schweren Gesamtetat überschaubar bleiben.

Für den Lokalfunk gilt es nach der Entscheidung nun, das Beste daraus zu machen. Die erhofften Mehreinnahmen werden benötigt, damit das lokale Informationsangebot in allen 44 Sendegebieten erhalten und zukunftsfähig aufgestellt werden kann. Die eigentliche Herausforderung – für private wie gebührenfinanzierte Rundfunkanbieter – ist doch der digitale Wandel. Im Gegensatz zum WDR muss sich der Lokalfunk aber die Investitionen, die für den Ausbau crossmedialer Angebote nötig sind, selbst erwirtschaften. Auch deshalb ist die Gesetzesänderung gut für die mediale Vielfalt in NRW.“

WDR-Gesetz: Aus drei mach eins

Lokalfunk-Chefredakteure fordern Werbereduzierung im WDR-Hörfunk – Pressemitteilung vom 21. Oktober 2015

„Viel versprochen, wenig passiert.“ Enttäuscht zeigt sich der Verein der Chefredakteure im NRW-Lokalfunk vom Entwurf für das neue WDR-Gesetz, der am Donnerstag im Medienausschuss des Landtags beraten wird. Von der Ankündigung, die Werbung im WDR-Hörfunk schrittweise zu reduzieren, sei im Entwurf der Landesregierung nichts zu finden, ärgert sich VdC-Vorstand Thorsten Wagner. „Wenn dieser ungleiche Wettbewerb so weitergeht, gefährdet das die Zukunft des Lokalfunks.“

Als zusätzliche Einnahmequelle neben dem Rundfunkbeitrag darf der WDR bislang auf drei seiner Radiowellen (1LIVE, WDR2, WDR4) Werbung verkaufen. Die privaten Lokalfunker, die sich ausschließlich durch Werbeeinnahmen finanzieren müssen, haben nur ein Programm für lokale und überregionale Kunden. „Die Erlöse aus der nationalen Vermarktung sind für viele Lokalstationen existentiell wichtig“, so Thorsten Kabitz aus dem VdC-Vorstand. „Deshalb brauchen wir jetzt den Einstieg in den Werbeausstieg beim WDR.“

Der VdC fordert, dass Werbung im WDR-Radio künftig nur noch in einem Programm erlaubt sein soll. Eine ähnliche Regelung beim NDR habe sich bewährt. In einem Brief an die Landtagsfraktionen schlagen die Chefredakteure außerdem eine Reduzierung der täglichen Werbezeit von 90 auf 60 Minuten und ein Verbot von versponserten Gewinnspielen im öffentlich-rechtlichen Hörfunk vor.

Die Lokalfunk-Vertreter erinnern daran, dass die Werbereduzierung beim WDR als Ziel im rot-grünen Koalitionsvertrag festgelegt sei. „Als es um bessere Sendezeiten für den Bürgerfunk ging, konnte man sich daran erinnern, warum nicht jetzt?“, fragt VdC-Vorstand Frank Haberstroh. „Wir hoffen, der Landtag hat mehr Mut und Kraft‚ ‚seinen‘ WDR wirklich neu aufzustellen“.